“Wie realistisch sind Deine Prognosen und wo hast Du Dich geirrt?” Teil 1

Zwei Fragen, die mir immer wieder gestellt werden.

Vielleicht lässt sich die erste Frage am besten mit der Methode oder der Herangehensweise beantworten. Als Basis für die Ergebnisse dienen mir vier Einflussfaktoren, deren Reihenfolge nicht festgeschrieben ist.

1. Megatrends: Sie sind die Basis, das Fundament. Megatrends habe nicht nur eine lange Geltungsdauer von bis zu 50 Jahren, sondern – und das ist vielleicht noch epochaler – sie wirken immer global und beeinflussen fundamental unseren Alltag in allen Bereichen: Werte, Kultur, Politik, Denken, Wirtschaft, Handeln. Somit verändern sie Gesellschaft strukturell und bewirken soziokulturelle Trends, sprich gesellschaftsrelevante Veränderungen, die eine Dauer von bis zu 15 Jahren aufweisen. Hieraus ergeben sich Konsumtrends mit einer Relevanz von 5 bis maximal 10 Jahren, bis sie abgelöst werden oder sich fest etabliert haben (auch möglich). Moden und Hypes mit einer sehr kurzen temporären Aktualität, sind daher für meine Arbeit eher irrelevant, nice to have und mit dem Trendmodell erklärbar. Daneben existieren noch technologische Entwicklungen, so genannte Techno Trends, die auf alle Bereiche einen Einfluss nehmen.

Generell sind auch Megatrends im steten Wandel begriffen, sie bewirken Anti-Trends und fusionieren mit den Gegenentwicklungen letztendlich zu etwas Neuem, Anderen. Zu diesen großen Umwälzungen zählen derzeit Gender Shift, Gesundheit, Globalisierung, Individualisierung, Konnektivität, Mobilität, Neo Ökologie, New Work, Sicherheit, Silver Society, Urbanisierung, Wissenskultur. Sie verändern sich im Laufe der Zeit, überholen sich mitunter oder gehen in etwas neuem auf (etwa Female Shift in Gender Shift; oder so meine Vermutung Gesundheit in Lebensqualität).

Das Wissen um Megatrends und soziokultureller Trends ist ein Pfeiler der Ergebnisse. Ein weiterer ist die Konsistenz und Kontinuität mit der Themen beobachtet werden. Sprich das 2. Archiv. Wie hat sich Gesundheit in den letzten Jahren entwickelt, welche Thesen gab es hierzu bereits und – ganz wichtig – welche Bedürfnisse entstehen künftig durch den Einfluss der bekannten Trendphänomene?

Hierfür ist 3. Recherche notwendig. Ich lese viel und quer durch Medien, lege einen Wahrnehmungsfilter darüber, ob sich gewisse Themen, Angebote häufen, in der Rezeption verändern etcpp. Fällt etwas dementsprechendes auf, bleibt zu überlegen, wie und ob dies mit Megatrends und soziokulturellen Trends zusammenpasst. Diese Arbeit ist gesellschaftswissenschaftlich und journalistisch gefärbt.

Zahlen dienen mitunter als Bestätigung (freut immer das Herz der Marketingabteilungen), aber sie haben zwei Schwächen: Einerseits spiegeln sie nur einen Ist-Zustand wider. Wenn jemand beispielsweise nach dem Volumen einer Konsumentengruppe fragt und ich ihm sage, dass sich derzeit 5% dafür interessieren, ist das natürlich nicht wirklich überzeugend. Selbst wenn es vor 12 Monaten nur 3% waren. Trendsetter sind immer in der Minderheit und revolutionieren nach und nach den Mainstream. Um sich zu fragen, ob aus den 5% in 5 Jahren 30% werden könnten, ist es ratsam zu überlegen, welche Motive und Bedürfnisse basierend auf den Megatrends hierzu entstehen. Andererseits müssen alle Zahlen und Statistiken hinterfragt werden. Nicht immer steckt das dahinter, was sie auf den ersten Blick suggerieren.

4. Intuition. Bisher erwähnte ich das eigentlich immer etwas ungern und häufig hinter vorgehaltener Hand, dass ich mich immer doch auch auf mein Bauchgefühl verlasse. Seit ich aber durchaus positives Feedback und sogar die Harvard Business School und INSEAD auf meiner Seite habe – „The two most effective business tools for twenty-first century executives are meditation and intuition.“ – gebe ich das etwas freizügiger zu.

Trendmethodik, Archiv, Recherche, (Zahlen) sowie eine Prise Bauchgefühl sind demnach der Airbag für die Richtigkeit der Prognosen. Generell treffe zumindest ich auch nur Aussagen, welche die ca. nächsten 15 betreffen. Alles was darüber hinaus geht ist (Ausnahmen bestätigen die Regel), halte ich für ebenso vage wie eine Aussage der Meterologen über das Wetter in 10 Tagen.

 

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