Virtual Reality wird 2016 zur Realität und verändert Markt und Medien

Virtual Reality taucht seit Jahren beständig hier und dort in den Schlagzeilen auf, doch für die meisten dürfte das Thema bisher noch sehr abstrakt sein. VR wird derzeit weder im Privaten noch im Marketing oft verwendet. Noch, denn momentan befindet sich hier viel im Umbruch, das neue Medium erobert zunehmend nicht nur den Markt, sondern verändert auch nachhaltig die Erwartungen der Konsumenten an Medien. Und das betrifft nahezu alle Bereiche des Erlebens.

Bisher scheiterte es vor allem am Zugang zu solchen Brillen. Mittlerweile lässt sich jedoch selbst mit einfachen Mitteln und etwas Geschick eine VR-Brille basteln. Google stellte eine Anleitung ins Netz, wie aus Pappe, zwei Linsen, Klebestreifen, Magneten und einem Haushaltsgummi eine Attrappe gebaut werden kann, in welcher das Smartphone Platz findet und dann als Low-Budget-VR-Brille fungiert. Wem das zu kompliziert ist, kann für eine handvoll Euro einen fertig gebastelten Pop-Up-Viewer kaufen. Oder auch für 120 Euro einen Adapter von Zeiss, der optisch dann schon eher an jene Modelle von Oculus Rift & Co. erinnert.

Die Auswahl an Brillen steigt rapide, wie auch die Nachfrage nach den Produkten. Bis 2020 soll sich laut einer Studie von Juniper Research der Absatz verzehnfacht haben. 30 Millionen Stück sollen weltweit in 4 Jahren verkauft werden, für 2017 werden 3 Millionen verkaufte Brillen prognostiziert. Die Cardboards nicht mit eingerechnet. Laut Samsung gibt es in Deutschland derzeit rund 185.000 Besitzer einer VR-Brille.

Tourismus: München ist die erste Stadt in Deutschland die im Sommer 2016 eine 360° VR-App anbietet und damit jedem weltweit die Möglichkeit gibt, Bayerns Landeshauptstadt von der Couch aus zu besuchen. Für den Tourismus und das Destinationsmarketing werden solche Angebote in Zukunft keine Kür sein, sondern Pflicht. Es dient als Inspiration, Information und kann gut umgesetzt zur Buchungsentscheidung beitragen.

Sport: In Kooperation mit dem Sender NBC verändert Samsung die Art und Weise von Sportübertragungen. Während der Olympischen Sommerspiele 2016 sind 85 Stunden Wettkämpfe sowie die Eröffnungs und Abschlusszeremonie als reales 360-Grad-Erlebnis über die entsprechnde App abrufbar – wenn auch mit jeweils einem Tag Verspätung. Vorteil hier ist sicherlich das visuelle Erlebnis, ein wichtiger Faktor des Sportevents bleibt aber auf der Strecke: die Gemeinschaft.

Neo-Ökologie: Die internationale Tierschutzorganisation Animal Equality hat auf dem Sundance Film Festival 2016 mit dem Kurzfilm „Factory Farm“ ein VR-Projekt vorgestellt, mit dem jeder Zuschauer plötzlich live im Schlachthaus steht. Der zwölf Minuten lange Film, der mit mehreren Kameras gedreht und im Anschluss zusammengesetzt wurde, hinterlässt betretenes Schweigen, gefolgt von unzähligen Fragen, körperlichen Reaktionen und einer neuen Empathie. „Virtual Reality eröffnet uns Welten, die uns bisher verborgen blieben. Plötzlich sind wir nicht mehr Zuschauer, wir befinden uns mitten im Schlachthaus. Das ist eine sehr eindringliche Erfahrung, die uns nachhaltig bewegt.“, so Stefanie Lenz, Pressesprecherin bei Animal Equality.

Individualisierung: Auch die Philosophen haben die Möglichkeiten der Virtual Reality-Techniken bereits entdeckt. Thomas Metzinger hat im Rahmen des von der EU geförderten Vere-Projekts aufgezeigt,  dass die beste virtuelle Realität durch unser eigenes Gehirn produziert wird. Seiner Theorie nach ist das Selbst, das Ich-Bewusstsein nur eine Simulation des Gehirns. Probanden bekamen eine VR-Brille aufgesetzt, die ihnen einen Eigenkörper-Avatar simulierten, der zwei Meter vor ihnen stand. Mit Berührungstests hatten die Probanden das Gefühl, dass der Avatar plötzlich zu ihrem Körper gehöre. Laut Metzinger kann man Menschen mit Hilfe von VR-Techniken für sich und andere neu sensibilisieren. Einsatzgebiet könnten die Psychotherapie sein bei Körperschemastörungen oder auch in der Rehabilitation, in dem Täter die Opferrolle übernehmen.

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