Verreisen wir in Zukunft noch?

Also so richtig physisch sich fortbewegend und real? Ohne Oculus Rift, Go und Co? Die letzten Tage war ich zweimal zum Thema Tourismustrends eingeladen. Einmal in Bad Wiessee auf dem Tourismusforum Oberbayern zum Thema des „Digitalen Gastes“ sowie in Frankenau auf dem „Zukunftstag Land(er)leben„, wo ich der Frage nachging, welche Rolle Qualität für die Zukunft des Landtourismus in Hessen spielt. Zwei inspirierende Veranstaltungen, die auch mit spannendem Inpunt von Kollegen und Tourismusexperten zum Thema Digitalisierung aufwarteten.

So „provozierte“ Prof. Dr. Mario Jooss von der FH Salzburg am Ende seines Vortrags am Tegernsee das Publikum ein wenig mit der Frage: „Verreisen wir in Zukunft überhaupt noch? Oder setzen wir uns nur noch die Virtual Reality-Brille auf, um völlig digital die Mountainbike-Tour zu unternehmen?“. Die Frage beschäftigt ja nicht nur Vertreter der Tourismus- und Freizeitindustrie, sondern auch beispielsweise die Sportbranche. Machen wir in Zukunft noch Sport?

Ja, vielleicht wird zukünftig Erholung zunehmend in virtuelle Welten verlagert. Warum auch nicht. Doch wird es der Unterwegskultur einen Abbruch tun? Nein. So wenig, wie sich pyhsiche Aktivität überholen wird. Oder Papier in den nächsten Jahren aufhören wird zu existieren. Oder das große Bedürfnis nach Sensorik, Haptik, Echtheit. Das steigt – zumindest in den kommenden 10 bis 15 Jahren – weiter an. Schließt aber eben das digitale Erlebnis nicht aus.

In meinen Augen ist folgende Frage wichtiger: Wie definiert sich Tourismus und Reise in Zukunft? Geht es wirklich um „Freizeitmärkte“? Und vor allem, was sind die Bedürfnisse des Kunden der Zukunft an die Unterwegskultur? Oder die Freizeitkultur? Primär geht es darum, einen Mehrwert zu bieten. Gut, erstmal eine Worthülse. Künftiger Mehrwert ergibt sich aber für den Gast aus einem Erlebnis oder einem Service, der die aktuelle Alltagssituation verbessert, sprich seine Lebensqualität. Menschen sind und werden immer mobiler, immer mehr findet unterwegs statt, was einst an feste Orten (wie dem Esstisch in der Küche, dem Arbeitsplatz im Büro, der Turnhalle des Sportvereins) gebunden war. Trotz zunehmender Konnektivität reisen Menschen immer mehr, sei es geschäftlich, sei es privat oder sei es eben aus einer Mischung aus geschäftlich und privat, in der vielleicht gar nicht mehr so genau zu unterscheiden ist: Bin ich gerade in London, weil ich eine Auszeit mache oder um neue Trends mit nach Stuttgart zu bringen?

Längst leben wir in einer Welt, die kein Entweder-Oder kennt. Speziell in der „Freizeit“-Kultur. Heute VR-AR-Erlebnis und morgen Workation auf dem Land. Workation? Eine hübsche Kration aus Work und Vacation. Lässt sich etwa in Brandenburg realisieren. Anderthalb Stunden entfernt von Berlin ist das wohl der ausgefallenste Co-Working-Space, der die Idee von Unterwegskultur, Work-Life-Blending, Erholung und Konnektivität aufgreift. Das wäre nur ein Beispiel, wie die Komplexität heute aufgefangen werden kann.

Die Mountainbiketour? Auch hier wird beides relevant sein. Die Integration des Sports in die Unterwegskultur ist in jedem Fall elementar. Das Grundbedürfnis nach ganz realer körperlicher Bewegung vor dem Hintergrund des Themas Gesundzufriedenheit aber auch.

Um ein wenig Überblick zu erhalten, wie es nun um die Bedürfnisse der Kunden von morgen gestellt ist, zeige ich gerne folgenden Kompass:

Bedürfnisse der Kunden der Zukunft

Ihnen hat der Artikel gefallen?

Sie wollen mehr zum Thema erfahren?