Pro-Aging und eSports: Warum Lebensstile wichtiger sind als Zielgruppendenke und die Diskussion über eSports als Sport der Vergangenheit angehören sollte

Viele der konservativen und klassischen „Sportler“ können sich bis dato nicht damit anfreunden, dass eSports zunehmend auch als Sport gewertet wird. Und viele der konservativen und klassischen Marketeers haben immer noch nicht erkannt, dass Zielgruppendenken nun aber mal wirklich überholt ist.

In Norwegen gibt es die erste weiterführende Schule (Garnes Vidergående Skole, Hordaland), die eSports auf dem Stundenplan hat – neben Fußball, Handball und anderen Sportrichtungen. Für die Schüler nicht nur Spaß, müssen sie hier genauso trainieren, werden bewertet, erhalten Noten und am Ende ein Examen ablegen. In den USA haben sich erste Personal Trainer wie Jake Middleton auf diese Klientel spezialisiert, und halten eSportler mit Trainingsplänen physisch fit. Dass der Sport von der Belastung und den Anforderungen mit „klassischen“ Sportarten absolut mithalten kann, wurde von der Deutschen Sporthochschule Köln ermittelt. Tischtennisspieler müssten bei der Hand-Auge-Koordination weniger leisten als ein eSportler; der Cortisolspiegel liege auf dem Niveau eines Rennfahrers, die Herzfrequenz könne mit einem Marathonlauf verglichen werden, so Ingo Froböse, Professor an der Kölner Hochschule im Interview mit der Deutschen Welle.

Und um dann auch noch mit dem letzten Klischee aufzuräumen, dass eSport etwas für picklige Jünglinge ist, die noch bei ihren Eltern wohnen und sich ausschließlich von Fast Food und Limo am Leben erhalten: Beim eSports-Turnier „Dreamhack“ in Schweden Anfang Dezember traten die Silver Sniper an, deren jüngstes Mitglied 62 und das älteste 81 Jahre alt ist. Das Rentner-Team besitzt mit Lenovo sogar einen eigenen Sponsor und erregte medial nicht zuletzt dadurch Aufsehen. Dass die „neuen Alten“ aber auch auf unprofessioneller Ebene zocken, zeigen Yrsa und Ilse, die jeden Dienstag im SportsPark Blaavandshuk in Oksbøl Counter Strike spielen. Direkt nach der Gymnastik setzen sich die beiden Großmütter an die Rechner, noch sind die 67 und 73-Jährige die der derzeit einzigen weiblichen eSportler in dem kleinen Ort an der dänsichen Westküste.

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