Öko-Pragmatismus und Tourismus

Der Megatrend Neo-Ökologie ist ein global wirkendes Phänomen. Ganz gleich in welchem poltischen, wissenschaftlichen oder ideologischem Lager man sich aufhält, mittlerweile hat nahezu  jede*r mitbekommen, dass es neue Strategien im Umgang mit unserer Erde bedarf. Doch das alte Lied von Verzicht und Reduktion, von Bewusstsein und Vernunft greift nicht. Speziell nicht, wenn 2030 8,55 Milliarden Menschen auf der Welt wuseln und sich alle nach einem Maximum an Lebensqualität und Komfort sehnen.

Mobilität ist heutzutage für die meisten ein wichtiger Baustein der Lebensqualität. Die Weltourismusorganisation der Vereinten Nationen prognostiziert 1,8 Milliarden Reisende für das Jahr 2030. Aus Perspektive des Megatrend Neo-Ökologie eine Herausforderung. Schon heute verändern Luftverschmutzung, Hitzewellen, sterbende Riffs, vermüllte Strände und Schlagzeilen über Overtourism das Reiseverhalten.  Gleichzeitig haben zwar immer mehr Verbraucher ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit, ändern aber aufgrund sich dazu gegenläufig entwickelnden soziokulturellen Phänomen nicht ihr Verhalten.

Eine wichtiger Treiber für die Zukunft ist dabei der Ökopragmatismus. Es ist die objektiv und abgeklärte Reaktion auf die sich verändernden Umstände. Nicht Marketing und das Überzeugen des Kunde stehen im Fokus des Interesses, sondern nicht mehr oder weniger die Sicherung der eigenen Zukunft. So sind zum Beispiel insbesondere Dienstleistungsbranchen, wie jene die von unberührter Natur und dem Verkauf von Lebensqualität wie Gesundheit existieren, auf den Erhalt ihres Standorts angewiesen.

Der Tourismus ist eine der Sektoren, die sich in den nächsten Jahren am stärksten mit dem Thema der Neo-Ökologie auseinandersetzen muss. Der reisebedingte Klima-Fußabdruck ist  in China, dann den USA, Deutschland gefolgt von Indien am größten. Tendenz steigend. Ein Prozent Wachstum in der Reisebranche erzeugt mehr CO2-Ausstoß als ein Prozent Wachstum in anderen Branchen verursachen würden. Bisher ist die Branche noch verschont, so gibt es kein verbindliches Reduktionsziel, Flug- wie Schiffsreisen werden im Pariser Klimaabkommen nicht erfasst (Nature Studie, 2018). Ein Nachhaltigkeitsbericht von Airbnb aus dem Jahr 2017 hat ergeben, dass mehr als die Hälfte der jungen britischen Erwachsenen mehr Wert auf Reisen legt als auf den Kauf eines Eigenheims. Sie sind aber auch besorgt über den Klimawandel und wollen ihren CO2-Fußabdruck reduzieren.

Clean Tech

In Norwegen ist seit Frühjahr 2018 eine Fähre in Betrieb, die völlig emissionsfrei ist. Nachdem seit 2016 bereits eine Hybrid-Fähre im Einsatz ist, transportiert „The Future of the Fjords“ (thefjords.no) bis zu 400 Passagier ausschließlich Batteriebetrieben von Flåm nach Gudvangen durch die Fjorde in Aurland. Die Schiffsprojekte sind nur der Anfang, das norwegische Parlament hat beschlossen, dass bis 2026 nur noch emissionsfreie Boote und Fähren in den Fjorden unterwegs sein dürfen, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören. Bis 2030 soll das für sämtliche Fjorden gelten.

Speziell auch die Kreuzfahrtindustrie wird sich über kurz oder lang dann darauf einstellen müssen, wenn nur noch emissionsfreie Schiffe die Häfen der Städte und Sehenswürdigkeiten anreisen dürfen. Norwegen wird hier nur der Vorreiter sein. Ideen gibt es bereits, wie sich am Beispiel Ecoship (ecoship-pb.com) zeigt, einer Konstruktion eines Kreuzfahrtschiffs, das 40 % weniger CO2 produziert als vergleichbare Modelle. Ecoship ist bisher mehr ein Mahnmal und Beispiel, ein Projekt von Peace Boat, einer NGO, welche sich für Frieden, Menschenrechte und Nachhaltigkeit weltweit einsetzt.

Easyjet hat angekündigt bis 2030 eine ganze Flotte E-Flugzeuge zu haben. 2019 soll das erste an den Start gehen. Und nochmals Norwegen: 2040 soll der Luftverkehr im Land komplett elektfiziert sein.

Es bleibt nicht beim Transportwesen, sondern auch in den Destinationen werden schlichtweg aus der Notwendigkeit heraus künftig Green Tech-Innovationen umgesetzt , die weit, weit über heutige Konzepte hinaus gehen müssen.

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