Utopie ist wieder erlaubt! Die öffentliche Wende zum kritischen Zukunftsoptimismus

Ermüdet von einer Desasternachricht, Krisenbotschaft und einem Untergangsszenario nach dem anderen, macht sich in der globalen Gemeinsschaft eine neue Optimismuskultur breit. Statt jedoch den echten oder vermeintlichen Katastrophen nur „good news“ entgegenzusetzen, sind Visionen und Utopien wieder mehr als en vogue und erlaubt. Und damit ist Juso-Chef Kevin Kühnert nur einer von vielen. Er löst damit aber eine öffentliche Debatte aus, die den Zeitgeist widerspiegelt. Nicht jenen Zeitgeist einer „sozialistischen“ Zukunft, sondern jene Entwicklung, Ideen jenseits des konservativen, ewiggestrigen Daueralarms laut denken zu dürfen. Eine alterslose Generation Ideen-Generatoren emanzipiert sich von den betäubenden und paralysierenden Hiobsbotschaften. Ein Blick in die aktuellen Buchveröffentlichungen vermittelt eine Ahnung dessen, was in den kommenden Monaten und Jahren für Veränderungen sorgen wird.

  • Martin Schröder: „Warum es uns noch nie so gut ging“ (Benevento, 2018)
  • Michel Serres: „C’était mieux avant !“, (Le Pommier, 2017; dt. Titel: „Was genau war früher besser? Ein optimistischer Wutanfall“, Suhrkamp, 2019)
  • Harald Welzer: „Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen“ (S. Fischer, 2019)
  • Felwine Sarr: „Afrotopia“ (Matthes & Seitz Berlin, 2019)
  • Gregg Easterbrook: „It’s Better Than It Looks – Reasons for Optimism in an Age of Fear“ (PublicAffairs, 2018; dt. Titel: „Warum die Welt einfach nicht untergeht – Sieben Endzeitszenarien und wie wir sie abwenden können“
  • Sina Trinkwalder: „Zukunft ist ein guter Ort. Utopie für eine ungewisse Zeit“ (Droemer, 2019)

Daneben gibt es schon ganz praktische Projekte. Richard David Precht lud 2018 zu einer 3-tägigen Utopie Konferenz ein (Leuphana Universtität Lüneburg, 20. bis 22.8.2018), auf der internationale Denker*innen bestehende Konzepte diskutierten, Ideen beleuchteten und neue Utopien wagten. Ilija Trojanow arbeitet an einer Plattform der Utopischen Räume („Utopian Spaces“), auf der praktische Utopien vorgestellt und somit greifbar werden. Der Autor bestätigt den Hunger der Menschen nach Visionen und Alternativen. („De weerstand tegen vluchtelingen heeft niets te maken met religieuze of culturele verschillen. In: DeMorgen, 24 april 2019)

„Protopia“ nennt Zukunftsforscher und Kollege Daniel Dettling diese Entwicklung im Zukunftsreport 2019. Ein Morgen, das durch ständiges Experimentieren und Improvisieren, Lernen und Verändern, Navigieren und Korrigieren gestaltet wird. Yes, Zukunft gestalten wird wieder „hot“!